Home 2019-03-22T11:26:30+00:00

Kulturelle Bildungsverbünde Berlin Mitte

In Berlin Mitte wächst die Zahl von Bildungseinrichtungen, die sich untereinander zu Bildungsverbünden vernetzen. Von Kitas über Schulen bis hin zu Kultureinrichtungen: Alle Beteiligten sollen von den Kooperationen profitieren und voneinander lernen.

Wenn ich einmal groß bin…

Die Vollendung dieses Satzes kann so viele Möglichkeiten, Visionen und Träume beinhalten – doch in unserer Arbeit erlebten wir immer häufiger, dass Kindern eine Perspektive jenseits vertrauter Lebensmuster fremd ist.

Unsere gemeinsame Vision war und ist es, jedem Kind, von der Kita bis in die Oberschule, mittels kultureller und künstlerischer Bildung eine bestmögliche und individuelle Förderung zukommen zu lassen.

Aus den bisherigen Erfahrungen wurde uns deutlich, dass ein notwendiges, enges Zusammenwirken nur in regionalen Bündnissen möglich ist – mit kurzen Wegen und verlässlichen und engagierten Ansprechpartner*innen, die diese Vision teilen.

Gemeinsam entwickelten wir feste Angebote und Strukturen, die dazu führten, dass Kulturelle Bildung ein integrativer Bestandteil aller Einrichtungen ist. Kulturelle Bildung und ganzheitliches lebenslanges Lernen schließen die Eltern als Partner und Ratgeber ihrer Kinder ein. Durch die Kooperationen im Bildungsverbund lernen sie schon früh die Angebote der weiterführenden Schulen kennen und werden beim Übergang ihrer Kinder begleitet. Durch spezifische Weiterbildungsangebote werden die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und Vorbildwirkung gestärkt.

Regelmäßige Präsentationen, Fahrten, die gemeinsame Ferienschule für Grund- und Oberschüler, Forscherwerkstätten für Kita- und Grundschulkinder, Bildungskonferenzen und künstlerische Projekte unter Beteiligung aller Altersgruppen sind nur einige Beispiele für das Wirken der ersten kulturellen und naturwissenschaftlichen Bildungsverbünde in Berlin Mitte.

Das gelungene Zusammenspiel so vieler Akteure, basierend auf dem gemeinsamen Verständnis von ganzheitlicher Bildung, bei der alle Mitwirkenden Kunst, Kultur und Kulturelle Bildung als Teil der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen verstehen, wurde Modell für weitere im Entstehen befindliche Kulturelle Bildungsverbünde mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten im Bezirk Mitte.

Hier geben wir einen Einblick in die erfolgreiche Arbeit der Kulturellen Bildungsverbünde aus Sicht der Kinder und Jugendlichen und auch der Akteur*innen:

Verknüpfungen

Bereits in der Kita wird die Sprachförderung durch Theaterspiel, Musik und Tanz unterstützt. Neben einem größeren Sprachverständnis sind es vor allem körperliche Ausdrucksfähigkeit, motorische Sicherheit und das sinnliche Spielen und Erleben, das den Kindern neben eigenem Zutrauen, vor allem Selbstsicherheit für den Übergang in die Schule gibt.

Dorothée Böcker ist Sozialpädagogin und Playing Artist und arbeitet seit fünf Jahren beim Träger GenerationenRaum gGmbH in Moabit. Erst als Gruppenerzieherin, dann als pädagogische Leitung in der Kita SpielRaum Perlentaucher und nun als Fachkraft für sprachliche Bildung und pädagogische Fachberatung. In ihrer Arbeit sind ihr vor allem die Verknüpfung von Kunst, Spiel und Sozialem, sowie der Bezug zum Kiez und die Vernetzung im Sozialraum besonders wichtig.

„Die Einbindung im Bildungsverbund macht es uns als Kita einfach, Kooperationspartner*innen zu finden. Wenn ich eine Idee habe, weiß ich sofort, wen ich ansprechen kann, um herauszufinden, wie wir es zeitnah angehen, finanzieren und umsetzen können.

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen im Kita-Alltag wiederum öffnet Räume für Kinder und Eltern. Ein schönes Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit der Musikschule „Fanny Hensel“: einmal in der Woche kamen Musikpädagoginnen der Musikschule in unsere Kita, um mit den Kindern zu arbeiten. Sie machten Musik, bewegten sich frei im Raum. Ein gemeinsam erarbeitetes Programm wurde dann auch in den Räumen der Musikschule aufgeführt. Für einige Eltern und Kinder entstand so ein erster Kontakt zur Musikschule.

Ein Kontakt, der weit über die Kita-Zeit hinaus geht. Denn die Kinder wollen oft nach solch anregenden Erlebnissen auch außerhalb der Kita-Zeit mit dem Musizieren weitermachen. Und den Eltern sind Ort und die Menschen, die dort arbeiten, schon vertraut.

Die kulturelle Arbeit mit Kindern ist wichtig und prägend. Unsere Kita-Kinder sprechen 15 verschiedene Familiensprachen. Heterogenität in alle Richtungen: wir sind eine bunte Moabiter Mischung. Das ist eine Herausforderung, der wir uns gern stellen. Kinder erleben bei uns Vielfalt als Normalität. Wir beobachten, wie unsere Kita-Kinder durch Musik und Bewegung gemeinsam besonders gut zur Sprachfähigkeit finden.

Ein anderes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner „Horizont-Ereignisse“. Alle zwei Wochen kommen die Mitarbeiter*innen zu uns und machen mit unseren Kita-Kindern naturwissenschaftliche Experimente, zum Beispiel zu den Themen Wasser oder Raumfahrt. Später, im Kita-Alltag, erleben wir, wie die Kinder Verknüpfungen herstellen. Sich an Experimente oder Lieder erinnern und diese spielerisch in den Alltag integrieren.

Vertrauen

In der Grundschule wird auf den erworbenen Fähigkeiten und entdeckten Begabungen aufgebaut. Tanz, Musik, Theater, aber auch die Naturwissenschaften gehören zum Profil der weiterführenden Schulen. 

In dem Wissen, dass das reine Fach- und Faktenwissen aus dem Unterricht nur dort auf fruchtbaren Boden fällt, wo es mit emotionalen und sinnlichen Erfahrungen korreliert, sind Künstler*innen, Theaterpädagog*innen und Musiker*innen fest in die Schul- und Unterrichtsstruktur implementiert.

José Antonio Roque Toimil ist ausgebildeter Tänzer und arbeitet schon seit vielen Jahren als Tanzlehrer in unterschiedlichen Einrichtungen und Projekten.

„Das Zusammenspiel der Einrichtungen in einem Bildungsverbund ist Klasse. Kinder, die mit mir schon ein Tanzprojekt in der Kita gemacht haben und dann später mit mir in einer Tanz-AG an ihrer Schule weitermachen sind konzentrierter als jene Kinder, für die ich ein neuer Lehrer bin. Konzentration erreiche ich durch Vertrauen. Für die Kinder, die mich aus der Kita kennen, bin ich eine Bezugsperson.

Sie kennen meine Körpersprache und sie sind sensibilisiert. Ich bin nicht fremd und sie vertrauen mir. Diese Kinder können sich besser konzentrieren und fokussieren. Sie lernen schneller und übernehmen innerhalb der Gruppe Verantwortung. Es ist toll, diese Entwicklungen zu sehen.

In meinen Kursen vermittle ich den Kindern Rhythmus und Bewegung. Sie lernen, ein Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln. Aber ich übe mit ihnen auch das Sprechen und Singen. Viele Kinder haben ein Sprachdefizit. Deshalb erarbeite ich mit ihnen die Geschichten und Texte. So erweitern sie ihr Vokubular und auch Kenntnisse in der Deutschen Grammatik. Dann tanzen wir dazu.

Die Kinder lernen auch, zuzuschauen und Bewegungen nachzuempfinden. Ich beobachte, wie sich mit der Zeit ihre körperliche und räumliche Wahrnehmung verändert.“

Erwachsen werden

In der Sekundarschule unterstützen Pädagog*innen und Künstler*innen die Kinder gemeinsam dabei, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zu vertiefen, soziale Kompetenzen zu erwerben und in der persönlichen Entwicklung zu reifen.

Das Kennenlernen der künftigen Mitschüler*innen und das verantwortungsvolle Miteinander stehen auch im Fokus der jährlichen gemeinsamen Reise von Schüler*innen aus zwei Grund- und einer Oberschule.

Für eine Woche im Schuljahr begeben sich Jugendliche der 10. Klasse der Herbert Hoover Schule gemeinsam mit Kindern aus der 5. und 6. Klasse der Humboldthain- und der Wedding Grundschule und deren Lehrern auf eine gemeinsame Reise.

In kleinen Gruppen segeln sie jeweils auf einem Boot in den Niederlanden auf der Nordsee.

Hüssein Salem und Eslem Seker werden, wie sie beide sagen, dieses Erlebnis niemals vergessen.

Das schwierigste an dieser einen Woche sei der Abschied gewesen. Da sind sich die beiden Jugendlichen einig. „Wir haben die Kleinen immer wieder umarmt. Sie sind uns nach dieser einen Woche richtig ans Herz gewachsen.“

Jeden Tag früh aufstehen, Masten setzen und Knoten lernen. „Die Knoten haben wir von den Kleinen gelernt. Die konnten das viel besser.“ Gemeinsames Kochen, gemeinsam leben auf engstem Raum. „Wir hatten nur eine Toilette und eine Dusche – für 15 Jungs!“, erzählt Hüssein.

„Jeder musste die Regeln einhalten. Damit das Wasser für alle reicht, durfte jeder von uns allen nur 5 Minuten duschen. Am Anfang war das schwer. Aber wenn man an die anderen denkt, dann klappt das!“, ergänzt Eslem.

„Die Abende waren toll. Weil wir alle zusammen waren. Wir Großen gemeinsam mit den Kleinen. Das war so gemütlich.“

„Alle waren da. Keiner hat sich ausgeschlossen. Wir haben getanzt und gespielt. Alle zusammen.“, bestätigt Hüssein. Er erzählt, er habe auf dieser Reise gelernt, mit Problemen umzugehen: „Ich habe gelernt, erst einmal zu schauen, was ist der Grund für einen Streit. Und ich habe gelernt, dass es gut ist, sich gegenseitig zu helfen, auch wenn man sich nicht am meisten mag.“

Hüssein und Eslem und die anderen Großen kannten sich sehr gut aus der Schule. Aber durch die Kleinen, mit denen sie auf engsten Raum zusammen waren und für die sie auch verantwortlich waren auf dieser Reise, änderte sich alles: „Ich musste mich erst einmal daran gewöhnen. Aber es ist eine gut, sich auf etwas Neues einzulassen“, sagt Hüssein. „Für uns war das eine tolle Lebenserfahrung.“ meint Eslem.

Lebenslanges Lernen

Kulturelle Bildung und ganzheitliches lebenslanges Lernen schließen die Eltern als Partner und Ratgeber ihrer Kinder ein. Durch die Kooperationen im Bildungsverbund lernen sie schon früh die Angebote der weiterführenden Schulen kennen und werden beim Übergang ihrer Kinder begleitet.

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„Wenn ich will, kann ich alles.“

Kulturelle Bildungsverbünde in Berlin Mitte
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